30. Mai 2023

Wir sind da! 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

…so heißt das Buch, welches uns, der Jahrgangsstufe 10, am 24.05.2023 vorgestellt wurde.
Martin Klähn, Mitglied der europäischen Akademie, und Herr Leschinski organisierten dieses Lesekonzert. Dabei wurde der Autor Udo von Seltmann von Warnfried Altmann auf dem Saxofon begleitet. Udo von Seltmann ist seit vielen Jahren freischaffender Autor und Journalist und beschäftigt sich aus Leidenschaft mit dem Judentum. Warnfried Altmann ist ein deutscher Saxofonist, Jazzmusiker und Komponist, welcher mit vollem Herzen für die Improvisation brennt. Mit ihrem Programm zum Buch führten sie uns die Vergangenheit vor Augen und wie viele Familien diese schreckliche Zeit einfach verdrängt haben oder es immer noch tun.

Zum Einstieg erzählte Martin Klähn uns etwas über die jüdische Geschichte hier in Boizenburg, die mit der Flucht der Kohn Familie noch vor der Reichskristallnacht 1938 ein Ende nahm. Der Nachname lebt allerdings trotzdem als Straßenname im Neubaugebiet Boizenburg weiter. Mit einer Saxofonmelodie leitete Warnfried Altmann nun zum Buch über. Anschließend erzählte Udo von Seltmann uns wie das Judentum sein Interesse geweckt hatte, wobei er ebenfalls auf seine eigene Familiengeschichte einging. Dabei erklärte er, dass seine Familie nie über seine Großeltern und allgemein die Vergangenheit reden wollte. Mit ausweichenden Antworten oder Themenwechseln wurden solche Gespräche gemieden. Im Alter von 15 bis 16 kam es dann dazu, dass seine Familie und er immer abends eine Dokumentation/Serie zum Holocaust schauten, dabei ging es um die Familie Weiss aus Berlin. Seitdem war seine Neugier geweckt und er ging dem Thema in der Schule nach. Auch im Erwachsenalter verfolgte er das Ziel, Antworten zu finden. Dabei erfuhr er, dass sein Großvater, ein Mitglied der SS, für tausende Tode von Juden verantwortlich war.

Doch nicht nur diese Seite seiner Familie entdeckte er. Er hatte ebenfalls Verwandte, die Juden gewesen waren und nur überlebt hatten, da sie zum Christentum konvertiert waren und sie beschützt wurden. Mit einer harmonischen, jüdischen Melodie ließ Warnfried Altmann uns das Gesagte verarbeiten. Daraufhin erzählte Herr Seltmann uns etwas zu seinem Buch und las seine Einleitung vor. Besonders auf Ben Salomo, ein israelischer deutschsprachiger Rapper und Jude, ging er ein und spielte uns auch einen Song von ihm vor, den Ben passend zum Jubiläum des Buches geschrieben hatte. Ein Lied, was immer an dem jüdischen Feiertag Jom Kippur gespielt wird, performte Warnfried Altmann für uns. Nach ein bisschen jüdischer Geschichte von dem 1. Weltkrieg an, spielte Herr Altmann das Lied „Es brennt“ von Mordechat Gebirtig vor. Ein Lied, welches die schwerwiegende, damalige Situation unterstrich. Auf den Buchtitel kam Udo von Seltmann durch das Lied „Mir Lebn Ejbig“ von Esther Bejarano. Für ihn war klar, dass „Wir sind da!“ der passendste Titel war. Die Buchvorstellung beendete er mit einem Apell. Wir haben unsere Zukunft in der Hand. Wir haben die Wahl, ob wir Menschen mit Hass und Abneigung begegnen wollen oder uns aktiv dagegen einsetzen und dafür sorgen, dass solch eine
Verachtung nie wieder so große Auswirkungen annimmt.

Antonia Völcker (10c)

Kommentare sind geschlossen.

zurück