Nie wieder ist jetzt! – Lernen an einem historischen Ort
Am 5. Juni 2025 fuhr die Klasse 9b in die KZ-Gedenkstätte nach Neuengamme bei Hamburg, um sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte an einem historischen Ort auseinanderzusetzen. Es war keine gewöhnliche Exkursion, sondern eine Reise zu einem Ort des Leidens, der Erinnerung – und der Verantwortung.
Bereits auf der Fahrt war vielen von uns bewusst, dass dieser Tag kein leichter werden würde. Das Thema Nationalsozialismus war uns aus dem Unterricht bekannt, jedoch ist es etwas völlig anderes, an einem Ort zu stehen, an dem unvorstellbares Leid wirklich geschah.
An der Gedenkstätte angekommen, wurden wir von der Referentin, Janina Heucke, empfangen. Sie gab uns einen ersten Überblick über das weitläufige Gelände, das heute ruhig wirkt, aber in jeder Ecke Spuren einer grausamen Vergangenheit trägt.
Wir tauschten uns über frühere Gedenkstättenbesuche und unsere Erwartungen an den Tag aus. Schließlich startete die Führung und damit ein intensiver, bedrückender, aber auch ein lehrreicher Weg durch die Geschichte.
Wir erfuhren, dass das Konzentrationslager Neuengamme das größte in Norddeutschland war und von 1938 bis 1945 bestand. Im KZ-Neuengamme starben etwa 42900 Häftlinge durch Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten oder Mord. Nach dem Krieg wurde es als Gefängnis weiter genutzt. Besonders erschütternd war die Tatsache, dass alle Gebäude von den Häftlingen selbst erbaut wurden. Dies geschah in harter Zwangsarbeit auch oft unter Lebensgefahr.
Einer der eindrücklichsten Momente war der Halt an einem alten Güterwaggon, der wie ein stilles Mahnmal auf uns wirkte. In solchen Waggons wurden damals Menschen unter unmenschlichsten Bedingungen ins Lager deportiert.
Der weitere Weg führte uns an Orte, die kaum zu begreifen sind, wie beispielsweise das Fundament des ehemaligen Krematoriums, der ehemalige Anleger, an dem mit Zwangsarbeit hergestellte Ziegel auf Boote verladen wurden, und die Grenzmauer des alten Gefängnisses. In der riesigen Fabrikhalle, dem sogenannten Klinkerwerk, erfuhren wir, dass Häftlinge dort Ziegel für die Infrastruktur des NS-Staates produzieren mussten. Diese Arbeit galt als „vergleichsweise ungefährlich“ – ein bitterer Begriff, denn die Alternative war oft der Tod durch Erschöpfung bei härterer Arbeit im Freien.
Erschütternd war auch der Bericht über den täglichen Zählappell, denn wenn ein Gefangener fehlte, mussten alle anderen stundenlang regungslos stehen, oft bei Kälte oder Regen, bis der Vermisste gefunden oder als tot gemeldet wurde. Die Vorstellung allein reichte, um uns in Stille zu versetzen.
Im Klinkerwerk selbst besuchten wir eine kleine Ausstellung. Ein besonderer Moment war das Innehalten an einem Fotopunkt mit der Aufschrift: „Ich bin hier. #GeradeJetzt.“ Eine einfache Botschaft – aber dafür tiefgründig. Denn Gedenken ist nichts, das nur in Geschichtsbüchern stattfindet. Es ist heute. Es ist jetzt.
Anschließend setzten wir unseren Besuch in einem weiteren Ausstellungsgebäude fort. In Kleingruppen beschäftigten wir uns mit verschiedenen Themen wie dem Alltag der Häftlinge, dem Schicksal von Frauen und Jugend oder der fehlenden medizinischen Versorgung. Wir präsentierten unsere Ergebnisse der Klasse. Spätestens da wurde vielen bewusst, wie umfassend und grausam das System des Lagers organisiert war.
Zum Abschluss des Tages trafen wir den Journalisten und Dokumentarfilmer Tilmann Bünz, der uns seinen bewegenden Film über die „Weißen Busse“ zeigte. Dies war eine Rettungsaktion, bei der am Ende des Zweiten Weltkriegs skandinavische Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern befreit wurden. Nach dem Film durften wir Fragen stellen und unsere Gedanken teilen.
Die Zeit verging schneller als erwartet, doch die Eindrücke des Tages hatten sich längst in unser Gedächtnis eingebrannt.
Die Rückfahrt verlief stiller als die Hinfahrt. Viele von uns schauten aus dem Fenster, nachdenklich, bewegt, vielleicht auch ein wenig erschüttert.
Wir haben viel gelernt – nicht nur über Geschichte, sondern auch über Menschlichkeit, Verantwortung und Erinnerungskultur. „Nie wieder“ darf keine leere Floskel sein, weshalb das Gedenken an solchen Orten enorm wichtig ist. Unser Besuch hat gezeigt: Nie wieder ist jetzt.
Organisiert und begleitet wurde die Exkursion von unserer Geschichtslehrerin Frau Panz. Danken möchten wir auch Herrn Koschek vom Elternrat der Klasse 9b, der uns an diesem Tag ebenfalls zur Seite stand. In unseren Dank schließen wir auch den Schulverein des Elbe Gymnasiums ein, der dieses Projekt mit finanziellen Mitteln förderte.
Linus Springer, Lea Küssner und Kristin Pilarski

