17. August 2026

Geschichte erleben, Demokratie verstehen – Studienfahrt nach Berlin

Wie entsteht Demokratiebewusstsein? Diese Frage lässt sich nicht allein im Klassenzimmer beantworten. Manchmal braucht es Orte, an denen Geschichte greifbar wird – Orte, die zum Nachdenken anregen und deutlich machen, welche Folgen Diktatur, Ausgrenzung und politische Verfolgung für Millionen Menschen hatten. Genau darum ging es bei der Studienfahrt der 10. Klassen des Elbe-Gymnasiums, an der vom 29. Juni bis 3. Juli 2026 insgesamt 56 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Begleitet wurden sie von ihren Klassenlehrern Frau Gäth, Frau Guhl, Herrn Liedke, der Geschichtslehrerin Frau Panz sowie von der Sozialarbeiterin Frau Rose.

Seit 2009 ist es Tradition, dass die 10. Klassen unserer Schule sich mit Politik und Geschichte des 20. Jahrhunderts an historischen Lernorten beschäftigen.

Während der fünftägigen Exkursion, bei der die Jugendherberge Berlin – Am Wannsee als Unterkunft diente, beschäftigten sich die Teilnehmenden intensiv mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und ihrer Bedeutung für unsere Gegenwart. Organisiert und fachlich vorbereitet wurde das Seminar von der Europäischen Akademie M-V e.V. sowie Politische Memoriale M-V e.V. Geleitet wurde das Programm von Dr. Matthew Heidtmann und Luisa Taschner, die die Schülerinnen und Schüler mit Vorträgen, Gesprächen und abwechslungsreichen Arbeitsformen durch die Woche begleiteten.

Im Mittelpunkt standen die beiden deutschen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts. An verschiedenen Erinnerungs- und Gedenkorten wurde deutlich, welche Auswirkungen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auf Millionen von Menschen hatte. Die systematische Verfolgung und Ermordung unschuldiger Menschen verdeutlicht bis heute, wie zerbrechlich Freiheit und Menschenwürde sein können. Ebenso setzten sich die Teilnehmenden mit der Geschichte der DDR auseinander. Die Auseinandersetzung mit politischer Überwachung, fehlender Meinungsfreiheit und staatlicher Repression machte sichtbar, dass demokratische Grundrechte keine Selbstverständlichkeit sind.

Die Studienfahrt beschränkte sich jedoch nicht auf den Blick in die Vergangenheit. Ebenso standen demokratische Institutionen der Gegenwart sowie die Rolle freier Medien im Fokus. Dadurch entstand ein spannender Bogen zwischen Geschichte und Gegenwart: Wie funktioniert Demokratie heute? Welche Verantwortung trägt jede und jeder Einzelne? Und warum lohnt es sich, sich einzubringen und für demokratische Werte einzustehen?

Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten oft kontrovers geführt werden und demokratische Grundprinzipien weltweit unter Druck geraten, gewinnt die historische Bildungsarbeit an Bedeutung. Die Exkursion machte deutlich, dass Erinnern weit mehr ist als das Lernen historischer Daten. Geschichte hilft dabei, aktuelle Entwicklungen besser einzuordnen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Neben den fachlichen Inhalten blieb auch Zeit für den gemeinsamen Austausch. Diskussionen, Gruppenarbeiten und Gespräche sorgten dafür, dass viele Eindrücke gemeinsam verarbeitet werden konnten. So wurde die Fahrt nicht nur zu einer intensiven Begegnung mit der Geschichte, sondern auch zu einer Erfahrung, die den Blick auf Demokratie, Freiheit und gesellschaftliches Engagement nachhaltig erweitert hat.

Highlights waren für die Schülerinnen und Schüler der Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Sachenhausen und die Führung durch die Gedenkstätte Hohenschönhausen, der ehemaligen zentralen U-Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit während der SED-Diktatur, sowie die Workshops im Bundesrat und im Museum der Kulturbrauerei.

Die Berlinfahrt der 10. Klassen zeigte eindrucksvoll, dass politische Bildung dort besonders nachhaltig wirkt, wo Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt werden kann. Sie hinterließ viele neue Perspektiven – und die Erkenntnis, dass Demokratie vom Mitmachen lebt.

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