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2018

Drei Monate in Frankreich

„Bonjour!“ (Hallo!)

„Salut!“ (Hey!)

*Küsschen links, Küsschen rechts*

„Ca va?“ (Wie geht‘s?)

„Bien, et toi?“ (Gut und dir?)

„Oui, ca va.“ (Ja, es geht.)

Ungefähr nach diesem Beispiel habe ich in den letzten drei Monaten fast jedes Gespräch begonnen. Aber  nicht nur das Küsschen zur Begrüßung war neu für mich. Während meines dreimonatigen Austauschs in Frankreich lernte ich viele Unterschiede zwischen der französischen Kultur und der unseren.

Während meines Aufenthalts in unserem Nachbarland besuchte ich ein Lycée (Gymnasium) in Chatellerault. Dies ist die nächstgrößere Stadt in der Nähe meines Wohnortes. Die Innenstadt ist besonders im warmen September und Oktober sehr schön, denn dort fließt ein großer Fluss der von alten Steinbrücken überquert wird, es gibt einen großen Skatepark und unzählbar viele Boutiquen und Boulangeries.

Meine Gastmutter war sehr deutschlandinteressiert und kannte deshalb viele Sprachvergleiche zwischen Deutsch und Französisch. So sagen wir: "Das ist mir Wurs(ch)t", während in französischer Sprache gesagt wird: "Ça ne mange pas le pain" (Das isst das Brot nicht).

Was ich außerdem schnell lernte: In Frankreich dreht sich generell alles um Essen und vor allem um Käse. "Faire un fromage" (Käse machen) bedeutet so viel, wie „eine Szene machen“. Beim gemeinsamen Essen in der großen Schulkantine habe ich dann erkannt, dass selbst vegane Franzosen nicht auf Käse verzichten können und wollen. Aber auch das Baguette ist für Franzosen unverzichtbar. Und so schnitt in der riesigen Schulkantine eine Brotschneidemaschine ununterbrochen Baguette für die Schüler. Das Weißbrot nimmt in der französischen Küche sogar einen so elementaren Platz ein, dass es dort gerne auch zu Pizza oder Nudeln gegessen wird. In einigen Städten gab es sogar Baguette-Automaten auf der Straße.

Um zwölf Uhr gab es immer eine einstündige Mittagspause in der Schule. Man aß zusammen und ich bestaunte jeden neuen Tag das reiche Angebot an Käse, Salat, Fisch, Obst, Desserts und Hauptspeisen. In der Kantine wurden ebenfalls Shrimps, Oktopus, Kalmar und andere exotische Gerichte angeboten. Die Pausen verbrachte ich meistens mit meiner Klasse in der MDL, einem Aufenthaltsraum mit Tischkicker und Billard. Wenn ich in einigen Freistunden die Zeit dazu fand, schrieb ich in der schuleigenen Bibliothek (auch CDI genannt) die Aufgaben aus dem Unterricht in Deutschland ab.

Der Unterricht unterscheidet sich maßgeblich von dem in Deutschland. Es gibt weniger und außerdem zusammengelegte Fächer (z.B. Physik-Chemie) und meistens werden nur 60 min am Stück unterrichtet. Vor Beginn stehen die Schüler, bis der Lehrer mit den Worten „Installez-vous“ den Befehl zum Setzen gibt. Die Schulklingel ist dort eine richtige Fanfare und eher ein Vorschlag den Unterricht zu beenden, als ein wirkliches Schlusssignal. Auch der Sportunterricht ist anders: Klettern in der schuleigenen Kletterhalle steht oft auf dem Stundenplan. Wenn Schwimmunterricht im städtischen Schwimmbad ansteht, kommen die Schüler auch gerne mal mit Taucherflossen zur Schule.

Das Lycée ist um einiges größer als das Elbe Gymnasium. Durch die rund 900 Schüler ist eine gewisse Anonymität vorhanden. Und so laufen einige kuriose und kreative Gestalten durch die Gänge. Darunter sind Jungen mit blauen Fingernägeln, Mädchen in Zwergenkostümen und andere bunt gemixte Erscheinungsbilder. Was mir an meiner Schule außerdem auffiel, waren die geschlechtsneutralen Toiletten. Allgemein sind die Schulen in Frankreich moderner, mit mehr Computer, Beamern und White-Boards ausgestattet. In meiner Klasse konnte sich niemand vorstellen, dass wir noch mit Kreide schreiben. Auch das WLAN in der Schule erwies sich, unter anderem zum Übersetzten, als sehr nützlich.

Surveillants achten in den Pausen auf das Einhalten der Schulregeln. Als deutsche Austauschschülerin hatte ich mit ihnen sehr viel Kontakt und wurde ebenfalls zu einem Rendezvous (in Frankreich: ein Treffen oder Gesprächstermin) mit dem CPE (Chef der Aufsichtspersonen) gerufen, was sich allerdings als weniger romantisch herausstellte. Am Ende klärten wir zum Glück nur meinen Stundenplan.

Jeden Morgen fuhr ich ungefähr 20 min mit dem Bus zum Lycée. Die Busse in Frankreich transportieren gerne mal die doppelte Anzahl an Personen und so kam es zu viel Kontakt zu fremden Menschen. Trotz des Sprachenunterschieds sind Rammstein und FC Bayern auch dort bekannt.

Von 30°C im Oktober bis 0°C im Dezember war alles dabei. Der deutsche Sommer wurde sozusagen in den französischen November verlegt. Wir Deutsche werden dort durch das ein oder andere Klischee auf Bier, Wurst, Sauerkraut und Lederhosen reduziert. Man hört ja oft, dass Franzosen einen sehr ausgeprägten Nationalstolz haben. Als ich eine Freundin darauf ansprach, antwortete sie mir mit einem Lachen und den Worten: „Wir sind nicht rassistisch, sondern egoistisch.“

An das Küsschen links, Küsschen rechts gewöhnt man sich schnell und es dient gut zum Überbrücken anfänglicher Distanzen. Im Rückblick würde ich sagen, dass drei Monate die perfekte Zeit für einen Austausch sind. Nach etwa einem Monat hat man sich vollständig eingelebt, kennt die Abläufe und Wege. Mit der Zeit nimmt das Verständnis für die französische Sprache deutlich zu.

Wer die Redewendung „Menschen essen um zu leben, aber Franzosen leben um zu essen“ kennt, wird verstehen, dass nicht nur unsere Koffer schwerer geworden sind.

Abschließend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, an diesem Austausch teilgenommen zu haben und kann es nur jedem weiter empfehlen.

 

Luisa Stepan (10a)